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Die Garagisten in der Schweiz verkaufen fast 55 % aller PW–Reifen. Das ergibt einen Umsatz von ca. 370 Mio. Franken pro Jahr für das Garagengewerbe. Darum muss ein Garagist auch ein Reifenfachmann sein, um seine Kunden optimal beraten zu können. Einige nützliche Informationen rund um den Reifen finden Sie in diesem Artikel. Weisen Sie sich gegenüber Ihren Kunden als den richtigen Ansprechpartner rund um das Thema Reifen aus, indem Sie Ihre Fachkompetenz bezüglich Reifen gezielt weitergeben. 

Aufgabe des Reifens
Die Reifen stellen den Kontakt vom Fahrzeug zur Strasse sicher. Die Kontaktfläche von 4 Reifen zur Strasse entspricht ca. einem A4 Blatt, also dem Format dieser Zeitschrift. Über diese Fläche müssen nun alle Antriebs-, Brems- und Seitenführungskräfte übertragen werden. Auch die gesamte Aufnahme der Gewichtskraft des Fahrzeuges, einschliesslich dessen Ladung, muss durch den Reifen gewährleistet werden, so hat jeder Reifen eine spezifische Kennzahl für die Reifentragfähigkeit. Eine weitere wichtige Aufgabe des Reifens ist das Auffangen und Absorbieren von kleineren Strassenunebenheiten. Diese Aufgabe zu erfüllen wird schwieriger für Niederquerschnittreifen. Das heisst, der Kunde muss mit Niederquerschnittreifen Komforteinbussen bezüglich der Dämpfung von Fahrbahnstössen in Kauf nehmen. Dafür bieten Niederquerschnittsreifen eine stabilere Seitenführung in Kurvenfahrten, weil sie sich weniger verformen können. Der Reifen soll möglichst einen geringen Rollwiderstand generieren und dies natürlich bei einem geräusch- und vibrationsarmen Abrollen. Eine möglichst lange Lebensdauer des Reifens wird vom Kunden als selbstverständlich angeschaut.  

Gummimischung und Profiltiefe 
Grundsätzlich unterscheidet man drei verschiedene Reifentypen: Sommer-, Winter- und Ganzjahres-Reifen. Diese unterscheiden sich vor allem in den verschiedenen Gummimischungen und den unterschiedlichen Profilgestaltungen. Der Sommerreifen hat gegenüber dem Winterreifen eine härtere Gummimischung, welche auch hohe Asphalttemperaturen schadlos überstehen kann. Hingegen wird der Sommerreifen ab einer Temperatur von unter 7° Celsius hart und unelastisch. Dies wirkt sich deutlich auf den Bremsweg aus. Winterreifen haben dank der lamellenförmigen Profilstruktur nicht nur auf Schnee deutliche Haftungsvorteile gegenüber den Sommerreifen, sondern bieten dank der weicheren Gummimischung bei tieferen Temperaturen (unter 7° Celsius) deutliche Sicherheitsvorteile, welche den Fahrzeuglenkern durch einen Fachmann, und damit sind Sie gemeint, erklärt werden müssen. Ganzjahresreifen sind immer ein Kompromiss gegenüber den „Spezialisten“ und sollten daher nur sehr zurückhaltend empfohlen werden und dies auch nur in schneearmen Gebieten, oder wenn notfalls auf das Fahrzeug verzichtet werden kann. Doch nicht nur die richtige Gummimischung hat einen markanten Einfluss auf den Bremsweg, sondern auch die Profiltiefe. Darum sollten Winterreifen mindestens 4mm und Sommerreifen mindesten 3mm Profil aufweisen um auch bei Nässe einen genügend grossen Schutz vor Aquaplaning zu haben.

Veränderung des Bremsweges bei abnehmender Profiltiefe

Luftdruck und Ventil 
Die Lebensdauer und Sicherheit eines Reifens ist massgeblich abhängig vom richtigen Luftdruck. Zu hoher oder zu niedriger Luftdruck verhindert den optimalen Kontakt des Profils zur Fahrbahn. Die Folgen sind nicht nur übermässiger oder ungleichmässiger Profilabrieb, sondern auch eine deutlich schlechtere Haftung. Dies kann vor allem bei höheren Kurvengeschwindigkeiten oder Nässe schnell gefährlich werden. Darum sollte der Luftdruck ca. alle vier Wochen einmal kontrolliert werden und zwar nur an kalten Reifen. Die Luftdrücke sind gemäss Herstellerangabe einzustellen und es ist darauf zu achten, dass sie achsweise gleich hoch sind. Dabei ist zu beachten, dass auch das Ersatzrad immer kontrolliert wird. Ein um 0.4 bar zu geringer Luftdruck hat einen Treibstoffmehrverbrauch von 2 % und eine geringere Lebensdauer von 30 % zur Folge. Vor allem bei langen Autobahnfahrten führt die grössere Walkarbeit des Reifens bei zu geringem Luftdruck zu einer höheren Temperatur des Reifens. Diese Temperatur steigt dann auf über 120° Celsius und leitet den Reifendefekt ein.

Das Ventil sollte bei jedem Reifenwechsel ausgewechselt werden, denn die Gummiventile altern durch UV-Strahlung und Temperatureinflüsse. Wenn man bedenkt, dass an einem 10 Gramm schweren Ventil bei 200 km/h rund 7.5 kg zerren versteht man, dass altersschwache, spröde Gummiventile diesen Belastungen nicht mehr standhalten können. Auch sollte darauf geachtet werden, dass immer eine Ventilkappe das Innenleben des Ventils vor Schmutz, Staub und Feuchtigkeit schützt.

Reifenmontage
Bei der Reifenmontage muss darauf geachtet werden, dass die neuen oder weniger abgefahrenen Reifen auf die Hinterachse des Fahrzeuges montiert werden. Ein Haftungsverlust, respektive ein Ausbrechen der Hinterachse ist für den Fahrzeuglenker viel schwieriger zu beherrschen als ein untersteuerndes Fahrzeug, welches eine eingeschränkte Lenkfähigkeit aufweist. Aus dem gleichen Grund ist darauf zu achten, dass möglichst immer 4 gleiche Reifen auf dem Fahrzeug montiert sind. Auf einer Achse Winterreifen und auf der andern Achse Sommerreifen ist auf alle Fälle zu vermeiden.

Reifenlagerung 
Ein immer wichtigeres Dienstleistungs-Angebot des Reifenspezialisten ist die Einlagerung von Kundenreifen. Die seriöse Lagerung beginnt bereits mit der Demontage der Reifen, bei welcher die entsprechende Radposition vermerkt werden sollte (z.B. mit Kreide auf der Reifeninnenseite). Der Lagerraum für Reifen sollte eine möglichst konstante Temperatur zwischen 15° Celsius und 25° Celsius aufweisen. Dabei sollten die Reifen von Wärmequellen mindestens 1 m Abstand haben. Ebenfalls muss darauf geachtet werden, dass die Reifen trocken lagern und nicht mit Ölen, Fetten, Lacken, Kraftstoffen und ähnlichen Stoffen oder deren Dämpfen in Berührung kommen. Ein dunkler Raum, welcher keine direkte Sonneneinstrahlung und möglichst kein Kunstlicht mit hohem UV-Gehalt aufweisst und auch nur mässig belüftet ist, bildet die ideale Umgebung für ein optimales Lagern von Reifen. Reifen mit Felgen sollten keinesfalls aufrecht stehend, sondern am besten hängend oder liegend (ideal auf einer Holzpalette) aufbewahrt werden. Reifen ohne Felgen sollten dagegen senkrecht aufgestellt und alle vier Wochen etwas gedreht werden, um Druckstellen zu vermeiden. Aufhängen oder Stapeln sollte hier vermieden werden.  

Bei der Überwinterung von Fahrzeugen (Oldtimer, Wohnmobilen, Anhängern usw.), bei denen die Reifen am Fahrzeug bleiben, sollte der Luftdruck um min. 0.5 bar erhöht werden.

Reifenlagerung

Fazit 
Wie Sie sehen umfasst das Thema Reifen viele verschiedene Bereiche und erfordert vom Reifenspezialisten einiges Know How. Der Kunde schätzt eine kompetente Beratung und setzt dieses Know How beim Garagisten als gegeben voraus. Zeigen Sie Ihren Kunden auch in diesem Bereich wer der Fachmann ist und bauen Sie Ihre Dienstleistungen rund um das Reifengeschäft aus, denn der Ersatzbedarf von über 5 Mio. Reifen in der Schweiz ist Grund genug sich einige Gedanken zu diesem wichtigen Teilgeschäft zu machen. Der AGVS wünscht Ihnen viel Erfolg.

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