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Klimaanlagenwartung

Neues zur Wartung der Klimaanlagen

 

Seit 1.1.2011 müssen die Klimaanlagen aller in der EU neu typengeprüften Personenwagen und leichten Nutzfahrzeuge mit einem klimafreundlicheren Kältemittel befüllt sein. Für Werkstätten im Autogewerbe bedeutet dies in absehbarer Zeit eine Investition in ein zusätzliches Klimaservicegerät und erfordert entsprechende Kenntnisse im Umgang mit dem neuen Kältemittel. Für die Arbeit an Klimaanlagen von Elektro- oder Hybridfahrzeugen ist auf die Verwendung eines geeigneten Kältemittelöls und die erforderlichen Fachkenntnisse zu achten.

 

Seit Ende der neunziger Jahre wurde das ozonschichtabbauende Kältemittel R12 laufend durch den Hydrogen-Fluor-Kohlen-Wasserstoff R134a abgelöst und darf inzwischen auch bei bestehenden Fahrzeugklimaanlagen nicht nachgefüllt werden. Mit der Forderung nach einer Reduktion der für den Treibhauseffekt mitverantwortlichen Substanzen verordnete die EU nun faktisch einen erneuten Wechsel des Kältemittels in Fahrzeugklimaanlagen, indem sie das maximal zulässige Treibhauspotenzial (GWP, Global Warming Potential) auf 150 festsetzte. Die Änderung betrifft alle ab dem 1.1.2011 neu zur Typengenehmigung angemeldeten leichten Personenwagen und Nutzfahrzeuge (Kategorien M1 und N1). Inzwischen hat sich die Industrie auf das als R-1234yf bzw. Tetrafluorpropen bezeichnete Kältemittel geeinigt. Ausschlaggebend für diesen Entscheid waren vor allem die physikalisch ähnlichen Eigenschaften von R-134a und R-1234yf und die dadurch geringen Kosten für die Modifikationen an der Klimaanlage. Hätte sich CO2 als Kältemittel durchgesetzt, hätten die Hersteller komplett neue und für Drücke von über 100 bar ausgelegte Klimaanlagen entwickeln müssen. 

 

 

Klimaservicegeräte für R-1234yf und elektrische Kompressoren

Im Grundzustand unterscheidet sich R-1234yf nur geringfügig vom bekannten R-134a. R-1234yf wird als hochentzündlich eingestuft und darf deshalb nur bei guter Belüftung verarbeitet und gelagert werden. Es ist nicht erlaubt, in bestehenden Klimaanlagen das neue Kältemittel einzufüllen bzw. ein Servicegerät gleichzeitig für beide Kältemittel zu verwenden. Dementsprechend unterscheiden sich die Befüllventile am Fahrzeug und Servicekupplungen am Servicegerät. Der Rundgang am Auto-Salon in Genf hat gezeigt, dass die Werkstattausrüster erste Geräte ins Sortiment aufgenommen haben. 

 

Bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen wird der Klimakompressor oft durch einen integrierten Elektromotor angetrieben. Da normales Kältemittelöl und Kontrastmittel elektrisch leitend sind, ist bei einer Klimaanlagenwartung unbedingt auf die Herstellervorgaben zu achten, insbesondere darauf, dass die eingesetzten Kältemittelöle isolierend sind. Werden Reparaturarbeiten am Kältemittelkompressor durchgeführt, sind Fachkenntnisse über sicheres Arbeiten an Hochvoltanlagen in der Fahrzeugtechnik unabdingbar. Der AGVS und die Fahrzeugimporteure bieten in Zusammenarbeit mit Electrosuisse entsprechende Kurse an.

 

 

Ab wann kommt das neue Kältemittel in die Werkstatt

Trotz der guten technischen und umweltverträglichen Eigenschaften wurde seitens Umweltbehörden und Konsumentenschutzkreisen bereits vor der flächendeckenden Einführung Kritik an der Sicherheit bei der Verwendung von R-1234yf geäussert. Kritisiert wurde insbesondere die mögliche Entflammbarkeit bei einem Unfall, welche dazu führen könnte, dass sich bei einem Fahrzeugbrand die giftige und stark ätzende Flusssäure bildet. Seitens Hersteller und Kältemittellieferanten wird diese Möglichkeit als äusserst gering eingeschätzt. Dennoch führte diese Diskussion dazu, dass viele Fahrzeughersteller ihre neuen Fahrzeugmodelle lieber noch im Jahr 2010 mit dem Kältemittel R134a genehmigen liessen. Somit werden neue mit R-1234yf ausgestattete Fahrzeugmodelle je nach Marke erst gegen Ende dieses Jahres oder erst 2012 auf den Markt kommen. Bis Ende 2010 typengenehmigte Fahrzeugmodelle dürfen noch bis Ende 2016 mit R-134a in Verkehr gesetzt werden, womit die Werkstätten noch lange mit diesem Kältemittel zu tun haben werden. Wer für alle Fahrzeuge gerüstet sein möchte, benötigt deshalb mindestens zwei Geräte für die unterschiedlichen Kältemittel und Kältemittelöle.

 

 

Fachbewilligung für den Umgang mit Kältemitteln

Aufgrund der umweltrelevanten und sicherheitstechnischen Auswirkungen sind in der Schweiz Arbeiten an Klimaanlagen nur in Betrieben erlaubt, wo mindestens eine Person über die entsprechende Fachbewilligung verfügt. Zudem dürfen Lieferanten Kältemittel nur an Empfänger abgeben, welche im Besitz der Bewilligung sind. Die Erlangung der Fachbewilligung ist beim Automobil-Mechatroniker und Automobildiagnostiker Bestandteil der Ausbildung. Viele Gewerbeschulen, Anbieter von Werkstattkonzepten und Institutionen wie der Schweizerische Verein für Kältetechnik oder die Schweiz. Techn. Fachschule Winterthur (STFW) bieten Weiterbildungskurse mit anschliessender Prüfung an. Die Kurse dauern in der Regel zwei Tage und kosten inklusive Prüfung zwischen CHF 500.-- und CHF 600.--. 

 

Fachbewilligungen aus Ländern der EU, Island, Liechtenstein und Norwegen sind in der Schweiz anerkannt.

 

 

Klimawartungs-Broschüre

Um den Kunden die Wichtigkeit einer regelmässigen Wartung der Klimaanlage aufzuzeigen hat der AGVS eine Kundenbroschüre erarbeitet. Die Broschüre kann per Telefon 031 307 15 15, E-mail info@agvs.ch oder über den Online-Shop auf www.agvs.ch bestellt werden.